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Viel Verkehr im Revier

Viel Verkehr im Revier

 

von Armin Uhe 2015

 

 

Vor gar nicht langer Zeit, begaben sich zwei Dorster Jäger an einem lauen Sommerabend zum Ansitz auf einen Erntebock. Natürlich unabhängig voneinander, jeder in sein Jagdrevier. Da sich der eine Jäger etwas später in sein Revier begab, konnte er sich nicht in seinen eigentlich für diesen Abend vorgesehenes Revierteil begeben. Hierzu musste er den gemeinsamen Grenzweg befahren, aber da stand bereits das Auto des Reviernachbarn am Weg. Um dessen Ansitz nicht zu stören, wählte er einen anderen Hochsitz in seinem Revier. Wie sich später herausstellen sollte, war diese Entscheidung richtig. Der benachbarte Jäger wurde von etlichen Fahrzeugen aller Art beim abendlichen Ansitz gestört. Ohne großen Anblick und ohne den ersehnten Erntebock musste er wieder abbaumen und seine Heimreise antreten.

Als er auf seinem Heimweg an einen Aussiedlerhof vorbei kam, sah er die Bäuerin auf dem Balkon stehen und sprach kurz mit ihr über den enormen Verkehr in der Dorster Feldmark. Danach trat der außerhalb von Dorste wohnende Jäger seine Heimfahrt an.

Der andere Revierpächter sollte an diesem warmen Sommerabend mehr Anblick und diesen nicht nur auf Wild haben. Zunächst wählte er einen Hochsitz aus, der auch entsprechend vom Wind her passte. Nach dem Aufbaumen überprüfte und lud er seine Waffe, legte diese und sein Fernglas griffbereit ab und war voller Hoffnung auf einen guten Anblick von reichlich Wild. Zunächst tat sich eine halbe Stunde nichts. Hin und wieder hörte er Vogelgezwitscher und einen Specht hämmern. Dann endlich erblickte er den ersten Hasen und kurz darauf noch einen. Das Jägerherz war über diesen Anblick hoch erfreut, denn weiterer Anblick folgt dann meist.

So sollte es danach auch kommen, erst erschien ein Fuchs am Horizont und bald darauf eine Ricke mit zwei Kitzen. Ein herrlicher Anblick zweier herumtollender Rehkitze im Schutze der Mutter. Nach dem Herumtollen und kurzer Futteraufnahme bewegte sich die Ricke mit ihren Kitzen wieder Richtung Wald. Inzwischen war die Zeit fortgeschritten, aber es war noch relativ hell.

Wie der Jäger so über seinen guten Anblick sinnierte, trat auf einmal der ersehnte Rehbock aus dem Wald und begann zu äsen. Hin und wieder windete er und sicherte nach allen Seiten, eben ein erfahrender und älterer Erntebock. Nun hielt der Jäger nicht mehr lange still, jetzt oder nie, die Waffe anbacken, ein kurzer Blick durch das Zielfernrohr, entsichern, einstechen und fliegen lassen war dann eins. Gut abgekommen, blieb der Bock nach kurzer Flucht, in Sichtweite des Jägers, verendet liegen. Den Rehbock bergen und sich mit dem Auto auf dem Weg zur Wildkammer machen, ging nun relativ schnell.

Auf dem Weg zur Wildkammer sollte der Jäger noch einen Anblick anderer Art erhalten.

Wie Anfangs erwähnt war es ein lauer Sommerabend. Da können auch bei dem einen oder anderen Paar nochmals Frühlingsgefühle auftreten, die man nicht unbedingt unterdrücken sollte.

So geschehen und vom Jäger nicht weiter verfolgt, da er bei den beschlagenden Autofenstern einer gehobenen Autoklasse, auch nicht viel erblicken konnte, fuhr er diskret am Auto vorbei.

Auf dem Anfangs erwähnten Aussiedlerhof, bei der gemeinschaftlichen Wildkammer angekommen, wurde zunächst der Rehbock versorgt und in den Wildkühlschrank gehängt. Weil es nun bereits zu dämmern begann, wollte der Jäger auch schnell nach Haus, da er am nächsten Morgen wieder früh aufstehen musste.

Durch lautes Zufallen der Autotür alarmiert, blickte die Bäuerin vom Balkon herunter und rief dass der benachbarte Jäger bereits nach Haus gefahren sei, da heute Abend zu viel Verkehr in seinem Revier war. Da sagte der andere Jäger, dass dies nicht nur in dem Nachbarrevier, sondern auch in seinem Revier so sei.

Im wahrsten Sinne des Wortes viel Verkehr im Revier.