Schuettenhoff2017 500

Kleine Geschichte des Dorster Schüttenhoffs

 

 

In diesem Jahr feiert das älteste Volks- und Heimatfest der Ortschaft Dorste sein 275-jähriges Bestehen. Der Dorster Schüttenhoff wird nachweislich seit 1742 durchschnittlich alle vier Jahre ausgerichtet. Lediglich während der Weltkriege und in den Nachkriegsjahren hat es mehrjährige Unterbrechungen gegeben. In diesem Jahr findet am 4. und 5. Juni nunmehr der 68. Schüttenhoff im 275. Jahr statt.

Schüttenhöfe wurden vermutlich bereits viel früher, im 16. und 17. Jahrhundert, in Dorste abgehalten. Aus dieser Zeit sind keine Urkunden erhalten. Das älteste Zeugnis des Dorster Schüttenhoffs ist das Kleinod. Sein ältester Anhänger stammt aus dem Jahr 1742. Dies ist gleichzeitig das Jahr der „Wiederzulassung des Schüttenhoffs“ durch „Seine Königliche Majestät von Großbritannien und Kurfürstliche Durchlaucht von Braunschweig und Lüneburg“ mit der „erneuerten Grubenhagenschen Schützenordnung“.

Die Schützenordnung selbst ist leider nicht mehr im Original erhalten. In der Abschrift von 1844 heißt es in § 9:

   

1742

"Es soll ein jeder Einwohner [...] nicht allein mitschießen, sondern auch sein Rohr mit Zubehör jederzeit fertig und in gutem Stande haben, auch damit exerzieren, auf dass er im Notfall und Aufforderung der gnädigsten Herrschaft und dem Vaterlande zu Dienste sich dessen gebrauchen könne."

Der Name „Schüttenhoff“ lässt sich vermutlich am treffendsten mit dem Begriff „Schützenschau“ ins heutige Deutsch übersetzen: Ursprünglich sollten die vom Landesherrn zur Verteidigung verpflichteten männlichen Einwohner des Dorfes („Schütten“) regelmäßig ihre Wehrfähigkeit und den sicheren Umgang mit der Waffe unter Beweis stellen. Dafür wurde eine Veranstaltung („Hoff“) abgehalten, bei der um das "Beste" geschossen und an deren Ende der beste Schütze („Bestemann“) geehrt wurde. Er durfte anschließend das mit Silberanhängern versehene Kleinod des Schüttenhoffs zu allen kirchlichen Feiertagen öffentlich tragen. Heute trägt der Bestemann das kostbare Kleinod außerhalb des Schüttenhoffs nur noch einmal im Jahr beim Kirchgang zu Pfingsten.

Nach jedem Schüttenhoff erweitert seit jeher der neue Bestemann das Kleinod um seinen persönlichen Silberanhänger, auf dem er seinen Namen, das Wappen seines Berufs und das Jahr des Schüttenhoffs gravieren lässt. Heute befinden sich 69 Anhänger inklusive des ersten Anhängers aus dem Jahr der Wiederzulassung am Kleinod. Diese Vollständigkeit ist in der Region einzigartig, da Kleinodien in Notzeiten regelmäßig verpfändet wurden, um Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Viele Anhänger gingen auf diese Weise in anderen Ortschaften verloren. Silbermünzen, die an Kleinodien anderer Schüttenhöfe zu finden sind, sucht man jedoch am Dorster Kleinod vergeblich. Es ist daher zu vermuten, dass man in Dorste zu Notzeiten vorrangig die Münzen abnahm, um die kostbaren Anhänger zu bewahren.

Für Dorste ist der Schüttenhoff neben dem Vereinsleben vermutlich der wichtigste Stützpfeiler der Dorfgemeinschaft. Frei nach Goethe könnte man sagen, dass es der Schüttenhoff ist, der das Dorf in seinem Inneren zusammenhält. Zu den Festtagen am Pfingstsonntag und -montag finden sich viele Gäste sowie besonders viele ehemalige und gebürtige Dorsterinnen und Dorster ein, die den Ort vor allem aus beruflichen Gründen verlassen haben. Bereits Monate vor dem Fest finden die Einwohnerinnen und Einwohner zusammen, um die Vorbereitungen zu treffen:

  • Die Anwohner der Straßen bauen Festwagen, mit denen sie unter einem historischen oder ganz aktuellen Motto den großen Festumzug bereichern.
  • Eine Handvoll junger Männer, die traditionell den Auftrag haben, das Fest und insbesondere den Festumzug in seinem Ablauf zu stören, die sog. „Buren“, konstruieren unter der Anleitung ihres "Häuptlings" über ein Dutzend phantasievolle Barrikaden aus Holz, Stein und Eisen.
  • Die sog. „Zimmerleute“ üben den Umgang mit der Axt, damit sie die Barrikaden der „Buren“ rechtzeitig aus dem Weg räumen können, bevor der Festumzug zum Stehen kommt.
  • Alle unverheirateten jungen Männer exerzieren wöchentlich, um im Festumzug als „Junggesellen-Bataillon“ mit Gehstock und Zylinder mitzumarschieren.
  • Die vier „Ärzte“ und „Sanitäter“ füllen in Hunderte von Fläschchen „Medizin“ ab, um damit „erkrankten“ Festteilnehmern bei Bedarf helfen zu können.
  • Das achtköpfige Komitee organisiert den Festablauf und insbesondere das Schießen auf die Bestemann-Scheibe. Geschossen wird übrigens nicht mehr mit Rohr, Muskete oder Karabiner, sondern mit dem Kleinkaliber-Gewehr auf einem 50m-Schießstand. Dabei zählt der beste von drei Schüssen.

Schüttenhoff - ein Fest mit langer Tradition und mit großer Bedeutung für das Dorf.